Das Gegenteil von Gut – Jugendinitiative Spiegelbild

Antisemitismus ist ein Weltdeutungssystem, das Jüdinnen und Juden als „Grundübel“ (Adorno) in der Welt erkennt. Lange Zeit wurde Antisemitismus einzig der politischen Rechten zugeordnet, auch wenn die Erkenntnisse der Antisemitismusforschung dieser Annahme stets widersprachen. Judenfeindlichkeit war durch alle Zeiten hindurch ein geselsschaftliches Querschnittsphänomen, ein „Chamäleon“ (Schwarz-Friesel), das sich dem Zeitgeist anpasste. Auch in der politischen Linken waren antisemitische Deutungen, Reflexe und Ressentiments immer wieder zu beobachten. Hierfür finden sich eine Fülle an Beispielen, wie personifizierte Kapitalkritik, Kraken-Symbolik bei Massenprotesten, gutgemeinte Erinnerungspolitik, die auf Kosten toter Juden stattfindet, oder die in jüngster Zeit viel diskutierten Boykottaufrufe gegen Israel. Die Bildungsstätte Anne Frank hat sich im Rahmen ihres Projektes „Das Gegenteil von gut – Antisemitismus in der deutschen Linken seit 1968“ mit diesen Momenten beschäftigt und eine Wanderausstellung zum Thema konzipiert. Sie beschreiben die Ausstellung folgendermaßen: „Die Ausstellung ‚Das Gegenteil von gut‘ behandelt diesen Antisemitismus in der politischen Linken in Gegenwart und Vergangenheit. Dabei sollen linkspolitische Anliegen nicht delegitimiert, sondern im Gegenteil auch da gestärkt werden, wo der eigene Anspruch verloren gegangen scheint, für eine Gesellschaft zu streiten, in der sich ohne Angst verschieden sein lässt. Um an die lebensweltliche Alltagspraxis linkspolitischer Akteur*innen anzuschließen, ist die Ausstellung nach Räumen gegliedert in und an denen linksradikale Kritiken geübt wurden – auf der Straße, in der Wohnung, am Kiosk, in der Universität, auf der Bühne und im Supermarkt. Jeder dieser Räume steht für eine bestimmte Konfliktkonstellation, die anhand historischer und gegenwärtiger Beispiele konkretisiert wird.“ Wir möchten die Ausstellung in Wiesbaden zeigen und mit interessierten linken Gruppen in Wiesbaden ein thematisch passendes Rahmenprogramm gestalten.Dadurch möchten wir zu einer innerlinken Reflexion und Sensibilisierung für ein Thema einladen, das trotz der verstärkten Thematisierung meist auf andere ausgelagert wird. Denn auch heute noch denken einige, eine linke Haltung würde eine antisemitische ausschließen. Ferner soll interessierten jungen Menschen mit der Ausstellung und dem Rahmenprogramm die Möglichkeit geboten werden, ein Einblick in linke Politik und Subkultur zu erhalten, um die lange Geschichte an Konflikten und Spaltungen nachvollziehen zu können und um eventuell nicht in dieselben Fallstricke zu geraten wie frühere Generationen.