Projekt Beschreibung

Femizid – jeden dritten Tag
Wiesbadener Burgfestspiele e.V.

Femizid in Deutschland ist real. Die Gewalt gegen Frauen nimmt zu. Jeden dritten Tag bezahlt eine Frau in Deutschland männliche Gewaltexzesse mit ihrem Leben. 

So auch in der Nacht zum 01. März 2020, als in der Wiesbadener Wellritzstraße die 49-jährige Sevinc M. von ihrem Noch-Ehemann erschossen wurde.
Aufgrund von Corona und der damit einhergehenden Lockdown-Situationen wurden die unerträglich hohen Zahlen nochmals gesteigert. Folgen wir der Statistik, kennt in Deutschland jede Person einen Täter oder ein Opfer.
Dieses Phänomen ist global. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen werden weltweit täglich 137 Frauen von einem Familienmitglied oder (Ex-)Partner getötet, rund 60 Prozent aller getöteten Frauen weltweit. In Deutschland und Frankreich sind das über 120 Femizide pro Jahr und Land. In Österreich wurden dieses Jahr schon elf Frauen getötet. EU-weit ein Rekord. Dabei galt das Land sehr lange als fortschrittlich, was den Schutz von Frauen betrifft. 2020 wurden laut polizeilicher Kriminalstatistik 31 Frauen – häufig von ihren (Ex-)Partnern oder Familienmitgliedern – ermordet. Italien zählt zu den Ländern mit den meisten Femiziden. Von Anfang 2020 bis heute wurden in Italien 125 Frauen von Männern ermordet. In der Türkei zählte die Initiative »Wir stoppen Frauenmorde« im vergangenen Jahr über 470 Femizide. Die offiziell erfasste Statistik in Mexiko gibt 97,6 Mordopfer pro Tag für 2019 an, diese Zahl stieg im ersten Halbjahr 2020 auf 98,8 pro Tag.

Frauen und Mädchen werden vielfach und nach wie vor als „selbst schuld“ stigmatisiert. Und Gewalt gegen Frauen, geschlechtsbezogene Gewalt, wird verharmlost, indem von Beziehungstaten, Verbrechen aus Leidenschaft oder Familiendramen (s.o.) geredet und geschrieben wird. Bei einem Delikt in einer Familie wird gar von einem erweiterten Suizid (!) gesprochen. Vor Gericht können Täter in Deutschland mit einer erstaunlichen Milde bei der Strafmaßfindung rechnen, verglichen mit der Rechtsprechung bei anderen Gewaltdelikten.

Echte präventive Maßnahmen fehlen, auch wenn der Sachverhalt seit Jahrzehnten bekannt ist. Selbst die Umsetzung der Istanbul-Konvention, die am 1. Februar 2018 in Kraft getretene Übereinkunft des Europarates zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt, kommt in Deutschland nur schleppend voran.

Im Rahmen einer Veranstaltungsreihe wollen wir die Situation, Ursachen und mögliche Lösungen beleuchten, denn während im Ausland Hunderttausende gegen Frauenmorde protestieren, ist es in Deutschland immer dann auffällig still und regungslos, wenn es um Gewalt gegen Frauen geht.

Das aktuelle Kooperationsteam besteht aus Christa Leiffheidt, Wiesbadener Burgfestspiele e.V., Kim Engels, frauen museum wiesbaden, Saskia Veit-Prang, Kommunale Frauenbeauftragte und Matthias Chalmovsky, Amnesty International Wiesbaden

PROGRAMM:

Sonntag, 26.09.21, 17:00 Uhr, Kulturzentrum Schlachthof, Kesselhaus, Murnaustraße 1, 65189 Wiesbaden:

Christina Clemm, Rechtsanwältin und Fachanwältin für Strafrecht und Familienrecht, liest aus Ihrem Buch: „AktenEinsicht“ – Geschichten von Frauen und Gewalt, erschienen im März 2020 im Verlag Antje Kunstmann. Anschließend: Publikumsgespräch.
Moderation: Kim Engels, frauen museum wiesbaden.

Freitag, 15.10.21, 19:00 Uhr, Saal im Roncalli-Haus, Friedrichstraße 26-28, 65185 Wiesbaden

Judith Götz vom Autor*innenkollektiv Fe.In liest aus „Frauen*rechte und Frauen*hass“, erschienen im August 2019 im Verbrecherverlag. Anschließend: Publikumsgespräch.
Moderation: Kim Engels, frauen museum wiesbaden.

23. November 21, 19:00 Uhr, Saal des Roncallihaus, Friedrichstraße 26-28, 65185 Wiesbaden

Podiumsdiskussion mit:
Dr. Monika Hauser
, Gründerin der Frauenrechtsorganisation Medica Mondiale, Trägerin des Alternativen Nobelpreises

Barbara Lochbihler, Mitglied im UN Ausschuß gegen Erzwungenes Verschwindenlassen. Vorstandsmitglied der Martin-Ennals-Stiftung für Menschenrechtsverteidiger*innen, Lehrbeauftragte im Masterstudiengang Menschenrechte der FAU Erlangen-Nürnberg, Menschenrechtsexpertin u.a.

Prof. Dr. Uta Ruppert, Soziologin, Politikwissenschaftlerin, Universität Frankfurt

Roland Hertel, Geschäftsführender Vorstand der BAG Täterarbeit Häusliche Gewalt e.V.

Gunda Opfer, Expertin zum Thema “Menschenrechtsverletzungen an Frauen” von Amnesty International Deutschland

Moderation: Antonella Berta, ARD-Journalistin.
Sie hat im letzten Jahr eine Reportage zu Femizid in Deutschland gemacht: „Femizid – Wenn Männer ihre Partnerinnen töten“.

Als Schirmfrau für unsere Veranstaltungsreihe und das Projekt konnten wir Schwester Lea Ackermann, Deutsche Ordensschwester, Frauenrechtlerin und Gründerin der international tätigen Hilfsorganisationen SOLWODI und SOLGIDI gewinnen. Sie wird bei der Podiumsdiskussion anwesend sein und eine Rede halten. 

Wir planen die Durchführung in Präsenz, werden die Veranstaltungen aber auch über den Youtube Channel vom frauen museum Wiesbaden live streamen. Je nach Pandemielage müssen wir berücksichtigen, dass die Veranstaltungen nur Online durchgeführt werden können.

VIDEOS von Frauen, die sich zu diesem Thema äußern: Lanna Idriss (Geschäftsführerin von Amnesty International Deutschland), Judith Götz (Autor*innenkollektiv Feministische Intervention; AK Fe.In), Nancy Faeser (Generalsekretärin der SPD Hessen), Christa Gabriel (ehemalige Stadtverordnetenvorsteherin), Laura Berman (Intendantin der Oper Hannover), fünf Frauen von Terre des Femmes, Helena Waldmann (Choreographin), Susanne Hoffmann-Fessner (Vorsitzende der AG SPD-Frauen) – aber auch der Oberbürgermeister der Stadt Wiesbaden: Gert-Uwe Mende!

https://www.wiesbadener-burgfestspiele.de/programm/2021/11/23/femizid-jeden-dritten-tag

Das Programm als pdf gibt es hier