Rückenwind –
Fahrräder für Flüchtlinge

Projektauswertung für den Förderzeitraum in 2018

Die Initiative „Rückenwind in Wiesbaden“ gibt es seit 2015. Wir möchten es den BewohnerInnen der Flüchtlingsunterkünfte durch die Vermittlung von Fahrrädern ermöglichen, kostenlos in ihrer neuen Heimatstadt mobil zu sein. Dadurch können sie sich die Stadt selbstbestimmt erschließen und einfacher am sozialen Leben teilnehmen. Hierfür nehmen wir gespendete Fahrräder an, bereiten diese in einer Werkstatt in Wiesbaden-Biebrich gemäß StVO auf und übergeben die Räder persönlich an Geflüchtete.

Zusätzlich betreiben wir seit 2016 auf dem Schlachthofgelände in Wiesbaden bei Kultur im Park einen Container offene Werkstatt, die (außer im Winter) jeweils freitags zwischen 15 und 18 Uhr geöffnet ist. Dieser Container steht Geflüchteten sowie anderen sozial Benachteiligten als Selbsthilfewerkstatt und interkulturelle Begegnungsstätte zu Verfügung. 

Auch in 2018 waren die hier angebotenen Werkstatttermine stark besucht: Witterungsabhängig waren jeweils zwischen 5 und 25 Menschen vor Ort, die von Rückenwind und einem festen internationalen Mechaniker- und Dolmetscherteam aus Syrien, Iran und Mainz fachmännisch unterstützt und angeleitet wurden. Auf diese Weise konnten an 32 Werkstattterminen etwa 300 Fahrradwartungen bzw. Reparaturen gemeinsam mit Geflüchteten und sozial Benachteiligten durchgeführt werden. Repariert wurden mitgebrachte Fahrräder, aber auch Spendenräder, die vor Ort mit Geflüchteten instandgesetzt und weiterverschenkt wurden. 

Oftmals benötigen die Interessenten nur Ersatzteile (neue Bremsbeläge, Schläuche, Mäntel, Schrauben, etc.), so dass die Fahrräder mit geringem Aufwand verkehrstüchtig gemacht werden können. Dabei prüfen wir die Funktion der Bremsen, Leuchten und der anderen verkehrssicherheitsrelevanten Bauteile. Damit wollen wir sicherstellen, dass die Fahrräder (zumindest beim Verlassen der offenen Werkstatt!) in einem verkehrssicheren Zustand sind. Häufig fehlt an den mitgebrachten Fahrrädern eine funktionsfähige Beleuchtung oder ein Fahrradschloss. In diesem Fall statten wir die Fahrräder mit den entsprechenden Ersatzteilen aus, was finanziell stärker zu Buche schlägt. Auf Grundlage der von Demokratie Leben in 2018 gewährten Fördermittel über 5.000 Euro und weiterer Eigenmittel haben wir in Summe 6.894,20 € Euro in Werkzeug und Ersatzteile investiert. 

Falls die Geflüchteten die Reparaturen nicht eigenständig vornehmen können, werden sie angeleitet oder unterstützt. Nebenbei erfahren sie, worauf bei der Reparatur zu achten ist und wie sie einfache Reparaturen zukünftig selbst durchführen können. Hierfür stellen wir das erforderliche Werkzeug, das sie oftmals nicht selbst haben oder kaufen können. 

Aus unserer Erfahrung stärkt die eigenständige Reparatur ihrer Fahrräder das Selbstbewußtsein erheblich. Geflüchtete und sozial Benachteiligte erleben Selbstwirksamkeit. 

Auch fördert das gemeinsame Handeln in einem ungezwungenen Umfeld den kulturellen und persönlichen Austausch. Diese Art der sozialen Durchmischung durchbricht übliche Strukturen von Helfenden und Menschen, denen geholfen werden muss. 

Damit ist der Container eine kontinuierliche Anlaufstelle für Themen der Rad-Mobilität und ein zuverlässiger Ort des sozialen Austauschs auf dem Gelände von „Kultur im Park“ geworden. Hier treffen wir auch Geflüchtete wieder, die uns schon in den Vorjahren besucht haben. Dabei stellen wir fest, dass sich bei fast allen die Deutschkenntnisse erheblich verbessert haben. Einige von Ihnen absolvieren bereits eine Ausbildung oder haben einen Arbeitsplatz gefunden. So begleiten wir indirekt deren Integrationsweg und nehmen an ihrer persönlicher Entwicklung teil.

Außer für Reparaturen war der Container während des gesamten Projektzeitraums auch eine beliebte Anlauf- und Kommunikationsstelle für ein internationales Publikum aller Altersklassen. Der kommunikative Austausch und die Bewirtung der Teilnehmer mit Getränken (Wasser, Saft) und Knabberkram unterstreicht die Gastfreundschaft und ist wesentlicher Bestandteil des Projekts.

Auch in 2018 wurde der Container an den anderen Wochentagen von weiteren integrativ wirkenden Initiativen (Pamoja e.V. mit einem Projekt für Familien mit Migrationshintergrund, Schülerinnen des Campus Klarenthal haben einen Begegnungsraum für geflüchtete Jugendliche eingerichtet, Sirona e.V. für Treffen von Müttern mit Fluchthintergrund und Wisawi für Plenarsitzungen) als Interaktions- und Inklusionsraum genutzt. 

Zwecks Eingliederung in das kulturelle Umfeld des Schlachthofs mit den Initiativen vor Ort und, um unsere Initiative auch einer breiteren Öffentlichkeitsarbeit vorzustellen war der Container in 2018 während einiger Veranstaltungen von Kultur im Park und dem Schlachthof (z.B. bei einem Flohmarkt) geöffnet. Darüber hinaus werden die Werkstatttermine über die Kontakte der Initiative Rückenwind, unter Geflüchteten und auch offiziell über die Rückenwind-Website http://www.rueckenwind-in-wiesbaden.de/ beworben.

Durch die Verstetigung des Projekts „Rückenwind in Wiesbaden“ ist der Container mittlerweile eine verlässliche Anlaufstelle geworden. Wir freuen uns auf die Fortsetzung in 2019!

______________________________

„Rückenwind – Fahrräder für Flüchtlinge“ will Geflüchteten in Wiesbaden durch die Vermittlung von Fahrrädern ermöglichen, in ihrer neuen Heimatstadt klimafreundlich mobil zu sein, sich die Stadt selbstbestimmt erschließen zu können und am sozialen Leben der städtischen Gesellschaft teilzunehmen. Unsere Initiative bereitet gespendete Fahrräder nach Straßenverkehrsordnung auf und konnte so bis dato mehr als 300 Räder an geflüchtete Männer, Frauen und Kinder übergeben.
Zusätzlich hat Rückenwind auf dem Schlachthofgelände bei Kultur im Park in Wiesbaden einen Werkstattcontainer eingerichtet, wo wir gemeinsam mit Geflüchteten sowie anderen sozial Benachteiligten jeden Freitag in einer Selbsthilfewerkstatt Fahrräder instand setzen und reparieren. Sämtliche Ersatzteile und Ausrüstung, die zur Verkehrssicherheit der Räder notwendig sind, können wir dank der Unterstützung durch Demokratie leben kostenlos zur Verfügung stellen. Die wöchentlichen Termine sind sehr gut besucht: Je nach Witterung sind zwischen 5 und 25 Menschen vor Ort, die von Rückenwind und einem festen internationalen Mechaniker- und Dolmetscherteam fachmännisch unterstützt und angeleitet werden. Dadurch ist die Werkstatt inzwischen eine wichtige soziale Anlaufstelle geworden. Einige kommen auch ohne eigenen Reparaturbedarf regelmäßig zur Unterstützung und in der Werkstattleitung arbeitet inzwischen ein Geflüchteter aus dem Iran mit.
Außer für Reparaturen ist der Container wegen seiner zentralen Lage eine beliebte Anlauf- und Kommunikationsstelle für ein internationales Publikum aller Altersklassen.

​_______________________________

Zwischenbericht

„Rückenwind in Wiesbaden“ will Geflüchteten ermöglichen, in ihrer neuen Heimatstadt mobil zu sein, sich die Stadt selbstbestimmt erschließen zu können und am sozialen Leben der städtischen Gesellschaft teilzunehmen. In dem Projekt werden gebrauchte Fahrräder verkehrssicher repariert und an Geflüchtete verschenkt. Außerdem werden Radfahrlernkurse angeboten.Die Lernkurse:Die ersten beiden Radfahrlernkurs haben im Oktober und November stattgefunden: Insgesamt haben sich zehn Frauen aus Afghanistan, Äthiopien und Eritrea mit viel Energie und Ausdauer eine neue Form von Mobilität erschlossen. Geübt wurde auf dem Schlachthofgelände unter fachkundiger Anleitung u.a. von einem Lehrer des Allgemeinen Deutschen Fahrrad Clubs (ADFC).Die nächste Kurssaison beginnt im Frühjahr 2016. Dann wird neben den Radfahrlernkursen auch ein Angebot zum Verkehrssicherheitstraining starten.
 

Werkstattbericht in Zahlen:

Zum 1. Dezember 2015, also nach 2/3 Projektlaufzeit lt. Förderantrag Demokratie Leben, haben wir in 5 Werkstattterminen mit freiwilligen HelferInnen:

  • 120 Reparaturen und Aufrüstungen gemäß StVO an gespendeten Fahrrädern durchgeführt

  • 85 Fahrräder persönlich an Geflüchtete übergeben

  • 25 Fahrräder an Organisationen im Rheingau zur dortigen Bearbeitung/Abgabe weitergegeben

  • Weitere 40 gespendete Fahrräder zur Bearbeitung eingelagert. Diese werden bis Ende Dezember 2015 übergabefertig sein.